Nebelmond

Nebelmond oder auch Nebelung, so nannten unsere Vorfahren den Monat, der die meiste Zeit nebliges Wetter bringt. Der November hüllt unsere Landschaft in einen düsteren Nebelschleier. Meistens ist es nun kalt, naß und ungemütlich.
Trübe Wolken, Herbstesluft,
Einsam wandl’ ich meine Straßen,
Welkes Laub, kein Vogel ruft –
Ach, wie stille! Wie verlassen!
Todeskühl der Winter naht,
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat
Goldne Wellen sind verronnen!
Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
Durch die öden Haine weht
Heimweh; - alles flieht und scheidet.
(aus dem Gedicht „Herbstentschluß“ von Nikolaus Lenau)
Diese Zeit des Herbstes führt uns das Absterben in der Natur vor Augen. Pflanzen gehen ein, die Blätter verfärben sich, welken und fallen schließlich herab. Wilde Stürme wehen und es scheint als würden sie alles Alte und Morsche von uns wegtragen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß gerade in diesem unwirklichen Monat, mit dem Erstarren der Natur, auch die Totenfeste begangen werden. Denn wir fühlen uns unseren Verstorbenen nun sehr nah.
In volkstümlichen Überlieferungen zieht, um den 11. November, Wodans Totenheer, auch die „Wilde Jagt“ genannt, durch die stürmende Nacht. Das sind die gefallenen Krieger und Walküren. Noch immer liegt hinter dem kirchlich eingesetzten Sankt Martin der unheimliche und zugleich in der Not helfende Wode verborgen. Die Fackel- und Laternenumzüge sowie das unverzichtbare Feuer sind eindeutig heidnischen Ursprungs.
Gerade jetzt spüren wir, daß auf Geburt und Werden unmißverständlich der Tod folgen muß. Wir erkennen, daß die Lebensalter des Menschen dem Jahreslauf der Natur ähneln.
Georg Stammler sagte einmal: „Alles Leben führt in den Tod – das ist eine Wahrheit! Die andere ist; alles echt gelebte Leben trägt einen Kern von Ewigkeit in sich. Wie sich der auswirkt, darüber grübeln wir nicht, er ist. Das ist die Wirklichkeit in uns, um die sich alles Dasein dreht.“
In der jetzigen Herbstzeit gedenken wir der Toten, deren Leistungen wir unser Dasein verdanken. Wir begehen die Heldengedenkfeier unseres Volkes. Auch hier berühren sich die Gegenwart und die Vergangenheit.
Diejenigen unserer Generation, die sich überhaupt noch mit unserer Geschichte befassen, lernen von Heldensagen und von Heldenzügen. Wir können diese Überlieferungen nicht leben und wir können nicht mit dem Zug marschieren. Es ist für uns fast unmöglich nachzuvollziehen was es heißt tatsächlich zu opfern. Um etwas zu ringen das unendlich mal wichtiger ist als das eigene Dasein. Wir sind eine Generation die den Krieg als solchen überhaupt nicht mehr kennt. Aber wir kennen auch den generellen Lebenskampf kaum noch, welcher unserem Dasein überhaupt einen Sinn gibt.
Leben ist Kampf! Für den nordischen Menschen muß das Leben eine Aufgabe sein und das Überleben in den Generationen eine Pflicht. Nur dann ist er zufrieden. Wir verehren unsere Helden heute ohne auch nur im geringsten ihrer selbst noch würdig zu sein. Wir sind erkrankt am alles zersetzenden Liberalismus! Aber wir haben dies erkannt und aus den Opfern unserer Ahnen heraus wird stets von neuem die Kraft zu Opfern wachsen!
Nicht in Gräbern seid ihr geborgen,
Tot sind die Tafeln aus kaltem Stein –
Ihr von gestern und wir von morgen
Werden niemals geschieden sein.
Möget ihr fern und vergessen liegen:
Staub – verstreut über manchen Ort.
In unseren Häusern, in unseren Wiegen
Lebet ihr unvergänglich fort.
Ihr seid gestorben, damit wir leben können!
