1. Mai, seit 1933 arbeitsfrei!

Der grundlegende Gedanke, den diejenigen verfolgten, die ihn zum arbeitsfreien Feiertag machten, ist dieser:
Die Werktätigen, alle Arbeiter in den Fabriken, alle Studenten in den Lehrstuben, alle Deutschen, die tagtäglich fleißig schaffen, sollen mit ihrer gesamten Betriebsgemeinschaft vor die Werktore und Türen treten. Sie sollen sich, gekleidet in ihren Arbeitssachen, zu einem gemeinsamen Demonstrationszug zusammenfinden.
Der Betriebsleiter soll neben dem ihm unterstellten Arbeiter gehen, der Professor soll neben seinen Studenten hergehen und der kleinste Arbeiter soll sich mit dem ersten Mann der Firma Schulter an Schulter in den Demonstrationszug einreihen.

Ein Klassendenken soll in dieser Gemeinschaft der schaffenden Menschen nicht mehr existent sein. Sie alle sind es, die Deutschlands Pulsschlag von Tag zu Tag stärker werden lassen. Sie alle gehören zu einer großen Gemeinschaft, die durch den fleißigen Einsatz aller lebendig ist. Jeder, der seine Arbeit nach guter fachlicher Praxis verrichtet, hat in dieser Gemeinschaft seinen Platz, den ihm niemand streitig machen kann.

Es ist nicht mehr wichtig, WAS jemand für eine Arbeit verrichtet; es ist nur noch wichtig, WIE jemand seine Arbeit verrichtet.
Das "wie" entscheidet über sein Ansehen in dieser großen Gemeinschaft, nicht mehr das "was".
Die einzelnen Betriebsgemeinschaften, die Schulklassen und die Menschen aus den Amtsstuben, sie alle finden sich schließlich zu einem großen, unüberschaubaren Demonstrationszug zusammen.

Mit Stolz auf das Erreichte und Freude auf das Kommende schreiten sie festen Schrittes durch Deutschlands Straßen. Sie alle sind Arbeiter der Stirn und Arbeiter der Faust. Sie alle sind Teil der großen Volksgemeinschaft. Deutschland ist ihre Heimat und ihr Werk. Niemand kann es bestreiten, der am 1. Mai diesen Pulsschlag der Arbeit einmal mit eigenen Augen gesehen hat.

Das ist der Grund, weshalb der 1. Mai seit 1933 ein arbeitsfreier Feiertag ist. Damit jegliches Klassendenken vor dem uneinnehmbaren Bollwerk der Volksgemeinschaft endet und sich das schaffende Deutschland in gegenseitiger Achtung die Hände reicht.

"Arbeiten und Schaffen soll jeder nach seiner Art, denn darin liegt sein sein Heil; bauen soll er in sich und außer sich. Und was ihm in der Seele, was ihm im Umkreis seines Seins von gegenwirkenden Kräften zerstört wurde, das soll er immer wieder von neuem geduldig aufrichten, denn darin liegt sein Glück. Wer die Arme sinken läßt, der ist überall verloren." W. Raabe