Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu!

In den Abendstunden einer milden und sternklaren Novembernacht versammelten sich, allen Verboten und Repressalien zum Trotz, junge Widerstandskämpfer an der Kriegsgräberstätte einer kleinen südbrandenburgischen Gemeinde, um den Toten beider Weltkriege zu gedenken.
Die Straße ist menschenleer. Alles, was man an diesem Abend vernehmen kann, sind die Blätter auf den Gehwegen und den Straßen, wie sie still und leise im Hauche des Novemberwindes umher wirbeln.
Das strahlende Mondlicht und der trübe Schein der Laternen auf den Gehwegen sind das einzige, was die Kriegsgräberstätte dieser kleinen Gemeinde etwas zu erhellen vermag. Und plötzlich wird jene gewohnte Stille, in der man sonst nur das raschelnde Laub auf den Straßen hört, durchbrochen vom Klang einer kräftigen und in Ehrfurcht mahnenden Stimme, welche die Worte:“ denk doch an Narvik und an Stalingrad…“, laut durch die Nacht hallen läßt. Der Wind trägt das Gesprochene weit über die Grenzen des Hörbaren hinaus, denn jene, die sie vernehmen sollen, weilen längst nicht mehr unter uns.
Und doch hat man dieses innige Gefühl, daß die junge Scharr, die sich hier gerade versammelt hat, heute nicht allein auf dem mit deutschem Blute getränkten Boden steht. Da jeder dieses tief in sich verborgene Gefühl spüren kann, daß jene Worte, vorgetragen von einem jungen politischen Soldaten unserer Generation, auch die Ohren der gefallenen Helden unseres Volkes erreicht. Jeder einzelne, der hier angetretenen jungen Streiter für die Zukunft unseres Volkes, kann die Anwesenheit derer spüren, die hier ihr Leben für uns ließen, damit wir eine Zukunft haben.
Sie stehen sich gegenüber, die Blicke starr vor Ehrfurcht auf das große weiße Kreuz vor ihnen gerichtet. Nahezu jeder der hier anwesenden Widerstandskämpfer trägt eine Fackel in seiner Hand, die das Karree in dem sie stehen, hell erleuchten läßt. Am Denkmal, wie am Ende des Karrees, stehen 2 Kameraden, welche die Träger der schwarzen Fahnen unserer Widerstandsbewegung sind.
Als die ersten Worte gesprochen waren, folgte eine Rede zu Ehren unserer gefallenen Helden. Danach legt ein Kamerad in tiefster Ehrfurcht, aus unserer Mitte tretend, ein Ehrenkranz für die Gefallenen am Denkmal nieder. Nach einer kurzen, im Achtung stehenden, Schweigeminute trat dieser wieder zurück in unsere Reihen. Es herrscht immer noch Ruhe im Kreise der hier Anwesenden und man konnte im stillen Gedenken, das Knistern der brennenden Fackeln hören. Angespannt lauschte man auch den Worten des zweiten Redners.
Es waren jene Worte, über unseren politischen und weltanschaulichen Kampf, den wir heute führen müssen und einem Kampf den unsere tapferen Soldaten schon Jahrzehnte vor uns gefochten haben, welche den meisten der Zuhörer die enge Verbundenheit zwischen Vergangenheit und Gegenwart überhaupt erst verdeutlichte. Mit seinem Mahnruf an die Ehre, Treue und Verpflichtung zeigte uns der Redner das unzertrennliche Band zwischen unseren Ahnen, uns und den zukünftigen Generationen auf.
Zumindest an diesem Abend versuchte eine junge Scharr von Widerstandskämpfern dieses durch die Besatzer getrennte Band wieder zusammen zufügen. Denn das Schicksal derer, die für das Überleben des deutschen Volkes fielen, muß unsere Verpflichtung werden. Und so, wie auch die Fackeln in den Händen der Widerstandskämpfer langsam erloschen, kamen wir allmählich dem Ende entgegen.
Zum Abschluß eines würdigen Gedenkens sangen wir noch zusammen das Treuelied, als unser gemeinsames verpflichtendes Gelöbnis gegenüber unseren gefallenen Soldaten und allen gefallenen Deutschen.




Das Treuelied
Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu,
das immer noch auf Erden für euch ein Fähnlein sei.
/: Gefährten unserer Jugend, ihr Bilder bessrer Zeit,
die uns zu Männertugend und Liebestod geweiht. :/
Wollt nimmer von uns weichen, uns immer nahe sein.
Treu wie die deutschen Eichen, wie Mond und Sonnenschein!
/: Einst wird es wieder helle, in aller Brüder Sinn,
sie kehren zu der Quelle in Lieb und Treue hin. :/
Ihr Sterne seid uns Zeugen die ruhig niederschaun.
Wenn alle Brüder schweigen und falschen Götzen traun.
/: Wir wolln das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich,
wolln predigen und sprechen vom heilgen deutschen Reich. :/
