Potsdamer gedenken der Blutzeugen von München

Es war ein dunkler, regnerischer Abend in Potsdam als sich 30 treue Seelen an einem Waldrand trafen, um den Ruf der Novembertoten zu vernehmen. „Wir sind für Euch gefallen!“ Diese Mahnung war in den Köpfen und Herzen dieser jungen Deutschen so fest verankert, dass kein Zweifel an ihrer Aufrichtigkeit aufkommen konnte!

Die Unterführer wiesen zu dunkler Stunde ihre Kameraden ein. Die Aufstellung wurde zügig durchgeführt, so dass die Marschformation, angeführt vom Gruppenführer und 2 Fahnenträgern, zum Gedenkort marschieren konnte. Nur der Klang von Schritten und das Knistern von Fackeln war vernehmbar. Eine heilige, innere Stille erfüllte jeden einzelnen von ihnen. Nach kurzem Marsch, erreichte der Fackelzug sein Ziel.

Ein großer Kreis wurde auf der Waldlichtung gebildet. So standen sie in ihren Fackelschein, der Dunkelheit trotzend, da. Das lange Schweigen im Walde wurde durch die einführenden Worte eines Kameraden gebrochen. Es erschallte darauf das Lied: „Nur der Freiheit gehört unser Leben“. Dieses Liedstück galt den 16 Blutzeugen, welche ihr Leben für die Freiheit unseres Volkes gaben.

Ihr Blut überschwemmte das Straßenpflaster von München nicht umsonst, denn dem Verbrechen, dem Sie zum Opfer gefallen sind, hat die wahre Fratze des reaktionären Demokratenpack gezeigt! Damals wie heute haben sich die Demokraten und ihre Handlanger nur mit Schande überschüttet, indem sie das beste Blut des Deutschen Volkes meuchelten!

Es folgte ein Treuegelöbnis auf unser Blut, unsere Heimat und unsere frühe Sonne. Andächtig sangen die Potsdamer die Weise von Adolf Wagner, welche den deutschen Helden vom 9. November 1923 gewidmet war. Ein Kamerad rief die 16 Namen und nach jedem Namen wurde von 30 Kehlen ein lautes „Hier“ erwidert. Unsere Toten waren nicht vergessen.

Sie gehören wie das Blut in unseren Adern zu uns. Sie sind ein Teil von jedem Deutschen! Ihr vergossenes Blut ist mehr wert als alles Gold auf dieser Welt. Wie einst die Blutsfahne als Zeugnis und Symbol der Opferbereitschaft der damaligen Deutschen Freiheitsbewegung galt, so gilt sie für uns heute noch.

Ihnen und allen anderen Gefallen sind Wir zur ewigen Treue verpflichtet!


















Die Tat des 9. Novembers

Ein Augenzeuge schildert den Zusammenbruch mit folgenden Worten:
„Kurz nach 12 Uhr setzt sich unser Zug in Bewegung. Voran Hitler und Ludendorff in der ersten Reihe, dann Oberlandesgerichtsrat von der Pfordten, Dr. von Scheubner- Richter, Rosenberg, Streicher, Hauptmann Göring, der Führer der SA, Gottfried Feder, Oberleutnant Brückner, der Führer des Regiments München, Schickedanz, Graf, der Begleiter von Hitler, Ludendorffs Diener Neubauer, Sesselmann, Oskar Körner und noch viele, die wir in den Toten- und Verwundetenlisten wieder erfinden werden. Erst hinter diesen Führern der deutschen Freiheitsbewegung schließen sich dann die Reihen der Sturmtruppen an mit umgehängten Gewehren, die Gewehre nicht geladen.

Der Zug nahm seinen Weg durch die Stadt über die Ludwigsbrücke durch das Isartor, das Tal und über den Marienplatz. Vom Rathaus wehte noch die Hakenkreuzfahne, und brausender Jubel der Bevölkerung begleitete den Zug, Heil-Rufe auf Hitler und Ludendorff und nebenher drängte die Bevölkerung mit dem Zuge, der jetzt in die Weinstraße und weiterhin durch die Perusastraße in die Residenzstraße einbog. Vor uns der Odeonsplatz war merkwürdig menschenleer.

Unser Zug marschierte unter den Klängen des Deutschlandliedes an der Residenz entlang - da plötzlich schwenkte Reichswehr oder Landespolizei, tue sich hinter der Feldherrnhalle versteckt gehalten hatte, quer über tue Residenzstraße ein und sperrte die Straße. Unser Zug, noch immer in der gleichen Marschordnung, umdrängt von der Bevölkerung, die Ludendorff und Hitler zujubelte, marschierte natürlich ohne jede Angriffsabsicht weiter - da geschah das Unerhörte.

Etwa beim östlichen Eingang in das Preysingpalais war eine dünne Kette von Landespolizei- Soldaten gestanden, die beiseite wichen.
Mit erhobenen Händen - nicht zum Zeichen der Ergebung, sondern unter verstärkten Heil- Rufen auf Hitler und Ludendorff, kam der Zug bis auf vier bis fünf Meter an die Sperrkette heran. Von einer Angriffsabsicht unserer Truppen konnte überhaupt keine Rede sein, da ja die ganze Straße gedrängt voll war und voran die Führer in Zivil gingen. Da plötzlich erhebt auf der Gegenseite in der Mitte der Straße ein Offizier den Arm.

Die Soldaten reißen die Hähne zurück, fahren hoch - Streicher und Gottfried Feder springen vor die vorderste Reihe und brüllen die Soldaten an: Ihr werdet doch nie auf Ludendorff schießen! - Da kracht schon aus zwei bis drei Meter Entfernung eine grauenhafte Salve in den Zug hinein und richtet ein schauerliches Blutbad an. Aus den Fenstern der Residenz bekommt der wehrlose Zug Feuer, und vom Odeonsplatz her hämmert ein Maschinengewehr.

Ich war unter dem rasenden Feuer der Gewehrsalven durch die Feuerlinie durchgebrochen und mit einigen Sätzen bis zu den Stufen der Feldherrnhalle gerannt, hinter mir, dem vollkommen waffenlosen Zivilisten, jagten die Kugeln her, und von vorne erhielt ich Feuer von der entlang der Theatinerkirche aufgestellten Mannschaft.

Ich blieb stehen und blickte hinter mich, um das grauenhafteste Bild meines Lebens zu sehen - da lagen alle in ihrem Blute - niedergemäht - niemand stand mehr, nur wenige, die sich rasch nach feldmäßiger Sitte zu Boden geworfen hatten, entkamen dem Tode. Ludendorff sah ich nicht mehr, ich sprang, noch immer beschossen, hinüber bis zur Westseite der Feldherrnhalle und drückte mich an der Mauer entlang - hinter mir einzelnen jagte man noch Feuer drein, bis ich in einer Mauernische des Preysingpalais notdürftig in Deckung gehen konnte.

Wie durch ein unglaubliches Wunder war Ludendorff ebenfalls mitten durch die Feuerlinie aufrecht hindurch geschritten und wurde auf der anderen Seite des Platzes angehalten. Hitler hatte sich rasch niedergeworfen und konnte sich unverletzt, aber mit luxiertem Arm aus dem Feuerbereich zurückziehen. Dagegen blieb der edle von der Pfordten tot am Platze, Scheubner- Richter war sofort tot. Oskar Körner tot, Neubauer, der Diener Ludendorffs, tot.

Graf, der Begleiter Hitlers, schwer verwundet, mit sieben Steckschüssen im Leib. Sesselmann schwer verwundet, mit Lungen-, Bauch- und Armschuss. Felix Allfarth tot. Karl Laforce tot. Hauptmann Göring schwer verwundet, Lorenz Ritter von Stransky tot, Rickmers schwer verwundet, Wilhelm Wolf, Wilhelm Ehrlich, Karl Kuhn, Anton Hechenberger, Andreas Bauriedl, alle auf der Stelle tot; Kulebrock, Gareis, Baumgärtner, Eggendorfer, von Parm, Knörlein, Wilhelm Richter und Robert Renner schwer verletzt.

Auf der Gegenseite fielen noch drei Soldaten der Landespolizei - ganz ohne Zweifel den Schüssen der eigenen Leute zum Opfer. Auf unserer Seite ist ganz bestimmt kein Schuss gefallen. Theodor Casella und Martin Faust fielen im Hofe des Wehrkreiskommandos.

In Worten lässt sich solch ungeheures Verbrechen nicht ausdrücken. Alle Anzeichen sprechen für einen vorgefaßten Mordüberfall mit der Absicht, die Führer der deutschen Freiheitsbewegung kaltherzig beseitigen zu lassen.


Sechzehn deutsche Männer, Studenten, Frontkrieger, besiegelten ihre Treue mit dem Tode. Sechzehn Männer, die für das neue Deutschland starben. Aber sie starben nicht umsonst. Tausende füllten ihre Lücken; Hunderte wiederum folgten ihnen, von Rotfront gemordet, in die kühle Heimaterde. Sie alle halfen weiterbauen an dem Ziel, das zu erleben ihnen nie mehr vergönnt war: die deutsche Ehre und die deutsche Freiheit!

Ein Aufschrei geht durch ganz München, als das Verbrechen an der Feldherrnhalle fruchbar wird. Deutsche Soldaten hatten auf Deutschlands größten Feldherrn geschossen. Man glaubt ihn tot. Adolf Hitler soll schwer verwundet sein - er, der Zehntausende von Münchnern mit Hoffnung erfüllt hat auf einen sauberen Staat. Zahlreiche Tote liegen auf dem Münchner Pflaster, gemordet von ihren eigenen Volksgenossen. Zehntausende durchziehen nunmehr die Straßen Münchens und stoßen Verwünschungen gegen Kahr und Lossow aus. „Hund! Lump! Verräter!" sind die Bezeichnungen, mit denen die teilweise rasende Volksmenge Kahr und Lossow bezeichnen. Reichswehr und Landespolizei werden mit „Pfui- Rufen" überschüttet, wo sie sich sehen lassen.

Mit brutaler Rücksichtslosigkeit geht die Landespolizei ihrerseits gegen die Demonstranten sowie gegen Unbeteiligte mit Gummiknüppeln vor. Trotzdem ist es der Polizei nicht möglich, die Menschenansammlungen zu zerstreuen. Erst im Laufe der nächsten Tage legt sich die Erregung äußerlich. Nur die berühmten „Ruhe- und Ordnungsleute", die Spießer und auch nationalen Bourgeois geben sich zufrieden, als ein unerhörter Lügenfeldzug gegen die deutsche Freiheitsbewegung einsetzt und den Spießbürger gruseln macht, in welch furchtbares Unglück Bayern durch den Hitler- Putsch hineingestoßen worden wäre, vor dem es nur durch die politische der Herren von Kahr und Lossow bewahrt worden sei. Trotz allem bleibt der Eindruck in München vorherrschend, dass in München unauslöschliche Schare geschah.

Hitler ist aus dem Feuerbereich entkommen. Umgeben von einigen Getreuen fährt er zu Bekannten nach Ussing. Hitlers Beziehungen dorthin sind jedoch zu bekannt, so dass es trotz; vorkommender Unvorsichtigkeit keineswegs auf verrat hat beruhen müssen, dass am zweiten Tage abends zwei Lastautos mit Landespolizei das Haus umstellen und Hitler, der noch Zeit findet, seine lebten Befehle und Anordnungen zu geben, verhaften und nach Landsberg bringen.