Kreative Transparentaktionen

Es ist Punkt 14 Uhr, die Straßen wirken fast wie ausgestorben, obwohl es ein sonnenverwöhnter Sonntag ist. Die Stammwählerschaft hat wohl schon ihre Spießbürgerpflicht erfüllt.
Der riesige Medienrummel, dass man ja schön Wählen gehen soll, scheint nicht wirklich in den Köpfen der dahin demokratisierten Mitbürgern angekommen zu sein, denn das Wahllokal in der Pierre de Coubertin Oberschule beispielsweise war alles andere als gut besucht.
Scheint die Resignation im Volke schon soweit vorangeschritten?
Nur ein paar ältere Herrschaften spazieren zum Wahllokal. Doch Plötzlich tauchen auf der Straße mehrere Jugendliche auf. Sie haben irgendeine unhandliche Plane dabei. Sie scheinen irgendetwas vorzuhaben, denn ihre Augen suchen das Umfeld gewissenhaft ab. Einer der Jungen greift in seinen Rucksack und holt mehrere Kabelbinder heraus.
Die Alten beobachten die Jugendlichen und in den Gesichtern der Pflichtwähler kann man deutlich erkennen, dass sie sich wundern. Die Bürger wirken wie erstarrt. Nun wird die vermutliche Abdeckplane ausgerollt. Was steht da? „Wahlen ändern nix“?!
Das scheint wohl keiner der langjährigen Wähler erlebt zu haben, dass Jugendliche vor einen Wahllokal ein Transparent anbringen und ihren Unmut gegenüber diesem System kreativ zum Ausdruck bringen. Die heutige Jugend scheint wohl doch nicht nur zu feiern und sich verblöden zu lassen!
Zügig bringen sie das Transparent gut sichtbar neben dem Haupttor am Zaun an.
Einer der Aktivisten wechselt die Straßenseite und dokumentiert das Geschehen mit seiner Kamera. Diszipliniert ziehen sich die Jungen zurück. Die Leute wirken immer noch wie Denkmäler. Erst als die Jugendlichen weit weg waren, bewegten sich die Leute in Richtung Transparent, um es sich genauer anzuschauen.
Des Weiteren wurden Transparente in Waldstadt, am Schlaatz, in Drewitz und Potsdam West gehangen.
Haben Sie das Transparent vielleicht auch gesehen?



