Ihrem Opfer gilt unsere Pflicht!

Eine Nacht wie viele andere ist angebrochen und doch ist heute etwas anders als sonst. Es ist still geworden in den Wäldern rings um Potsdam. Der kühle Abendwind und das leise Knacken der noch kahlen Äste an den Bäumen sind die einzigen wahrnehmbaren Geräusche, fern ab der Potsdamer Innenstadt. Dort wo willenlose und entwurzelte Menschen das Nachtleben zelebrieren. Menschen, die am heutigen Tag nicht einen einzigen Gedanken übrig haben, für jene, die vor über 60 Jahren genau hier ihr Leben ließen.
Das letzte Tageslicht ist mittlerweile erloschen, kein einziger Stern ist am Himmel zu sehen. Der Wald am Rande Potsdams ist zu einem schwarzen und undurchsichtigen Meer aus Dunkelheit geworden. Es ist kaum noch möglich irgendetwas zu erblicken. Und doch wird die Finsternis dieser Nacht vom hellen Schein zweier Fackeln durchbrochen. Und das leise Rauschen des Windes wird überdeckt von einem ruhigen und bedächtigem Atmen deren, die sich heute hier zusammen gefunden haben. Es ist eine Schar junger nationaler Sozialisten, welche sich in Zweierreihe hinter schwarzen Fahnen und den Fackeln versammelt hat. Eine Schar von jungen Menschen, deren Pflicht aus dem Opfer der Toten vom 14. April 1945 wächst. In dieser Nacht kamen weit über 5000 Deutsche im Bombenhagel der Alliierten Kriegsverbrecher um.
In der Abgelegenheit des Waldes und in der bedächtigen Stille dieser Nacht wollte man den Toten ein würdiges Gedenken geben. Den Weg beschreitend, den die beiden Fackeln erhellen, liefen die jungen Widerstandskämpfer aus Potsdam gleichmäßig bis zu einer riesigen Lichtung. Beide Reihen teilten sich und stellten sich im Carre auf. Jetzt erst blickte jeder der hier Anwesenden auf einen durch Kerzen hellerleuchteten Schriftzug. Mahnend scheint das Licht der Kerzen in den Augen der hier Angetretenen. Bombennacht von Potsdam stand in hellen Lettern geschrieben auf dem Boden, der vor über 60 Jahren mit deutschem Blute getränkt wurde.
Jetzt wird auch dem Letzten bewusst, weshalb wir heute hier angetreten sind.
Nicht um ein bloßes Trauern wegen, sondern um aus dem Tot dieser deutschen Menschen eine innere Pflicht werden zu lassen. Nicht der Schmerz über die vielen Opfer bestimmt an dem heutigen Abend das Ansinnen dieser jungen Widerstandskämpfer, sondern die Hingabe zu der daraus entstehenden Aufgabe.
Nach einigen Minuten des Schweigens und des in sich Gehens wurde das stille Rauschen des Windes der Hintergrund zu den Worten eines jungen Mitkämpfers. Er trug ein selbstverfasstes Gedicht über die Bombardierung Potsdams vor. Direkt im Anschluss fuhr ein Kamerad mit einer Rede in Bezug zur Bombennacht und der Opfer fort. Es waren eindringliche Worte, die die Sinnlosigkeit dieses Angriffes unterstrichen und den Opfern die Würde, die sie verdienen, zusprachen.
Und wieder eine kurze Pause. In Gedanken versunken lauschte man nun den Worten eines Mitstreiters, der einen Erlebnisbericht aus jener unumgänglichen Schicksalsnacht verlas. Am Ende seiner Ausführung hielten wir gemeinsam eine Schweigeminute für die Toten ab.
Um diesem Gedenken einen würdigen Abschluß zu verleihen, trug ein weiterer junger Mitkämpfer aus unserer Reihe ein wiederum selbstverfasstes Gedicht vor. Nachdem er mit den Worten „Lasst uns unsere Vorväter ehren wie es ihnen gebührt, denn sie haben die Flamme zur Freiheit für uns geschürt!“ abschloss, verließen wir geordnet in zwei Reihen die Lichtung und suchten in der Dunkelheit den Weg zurück. In dieser Nacht ist uns einmal mehr bewusst geworden, welche Pflicht wir gegenüber unseren Vätern und Großvätern haben. Und dass nicht das ewige Trauern Aufgabe der Zukunft sein wird, sondern der Widerstand gegen jenes System, dessen Vertreter die Vasallen der Mörder von damals sind.






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